Hinter Gittern

Hinter Gittern

…ein hochspannendes Thema.

Es kursiert durch die Medien. Ein ehemaliger Schwerverbrecher wird zum Yogi und Weltverbesserer.
So oder ähnlich wird er dargestellt. Dieter Gurkasch.
Als ich von ihm das erste mal las, war klar, dieses Buch möchte ich lesen.

 

Es ist in meinem Leben oft so gewesen, dass das Thema “Schuld” eine große Rolle spielte und auch heute noch manchmal spielt, wenn auch im absolut harmlosen Rahmen.
Also ist klar, dass mich ein “Schuldiger” interessiert.
Das Buch, die Fernsehinterviews, die Artikel….alles saugte ich auf.
Als dann tatsächlich eine Lesung in Bonn terminiert wurde, führte kein Weg mehr an einer persönlichen Begegnung vorbei.
Sein Buch kratzte für mein Empfingen doch eher noch an der Oberfläche. Für jemanden, der einmal eine Frau umbrachte und immer tiefer in den Sumpf, trotz oder wegen Knast und Isolationshaft, rutschte, las es sich doch recht seicht. Man hat ja so seine Vorstellungen aus Film und Fernsehen, glaubt ja zu wissen was dort abgeht. Vieles war definitiv hart und unschön, besonders die Beschreibung des Mordes. Doch Steven King verursachte mir schon mehr Gänsehaut.
Die Begegnung mit ihm war dann schon etwas anderes. Seinen Worten und dem Klang seiner Stimme zu folgen, war intensiver! Viel intensiver. Es war emotional, hart, irritierend und manchmal humorvoll.
Für einige Zuhörer war später auch klar, er hatte eine gewalt(ät)ige Art in sich. Mittlerweile kanalisiert in gute Bahnen und Schwingungen, durch…ja, halt eben durch Yoga.
Was macht man auch in jahrelanger Isolationshaft, Nahtoderfahrung hinter sich und Büchern zu diesem Thema (dank seiner Frau, die ich für ihre Treue wirklich bewundere).
Ich selber saß seitlich von ihm, empfand diese “Gewalt” in seiner Gestik und Mimik nicht in der Intensität. Frontal mag es anders gewesen sein, wenn er mit Körpereinsatz schilderte.
Was ich empfand, war das Gefühl, dass er dies nicht war und ist. Er liest nur vor. Er schildert ein Fremderleben. Es will bis heute nicht in meinen Kopf, meine Hirnwindungen akzeptieren es nach diesen vier Stunden einfach nicht. Vielleicht, weil er heute ein “neuer” oder “anderer” Mensch ist?
Wer kann dies schon sagen?!
Nach der Begegnung bin ich jedoch dankbar, dass aus meinem geklauten Schokoriegel mit 6 Jahren, nicht mehr wurde. Der Mensch ist in der Lage gütige Entscheidungen zu treffen. Dies tat ich wohl einmal vor langer Zeit.
Und er ist in der Lage, sich um zu entscheiden, wenn er über Jahrzehnte einen gewalttätigen und räuberischen Weg ging.
Ein Grund, warum ich in der Initiative YuMiG, Yoga und Meditation im Gefängnis, soviel Sinn sehe.
Sicherlich werden nicht alle Insassen erreicht, doch jeder Einzelne, der mit Yoga eine andere Form der Resozialisierung erlebt, ist einer weniger in der “dunklen” Welt. Im Grunde wollen vielleicht alle einfach nur geliebt werden und haben DEN Weg noch nicht gefunden.
Nicht nur die Insassen erfahren diese neue Orientierung, auch die dort arbeitenden werden entlastet. Und wer sind wir, zu behaupten, dass uns dies niemals widerfahren könnte?!
Abschliessend habe ich nach diesem Treffen und der verabschiedenden Umarmung keinerlei Angst verspürt, vorher auch nie gehabt, einen Menschen erlebt, der mich in meinem Denken geprägt hat. Er geht einen erstaunlichen Weg, der sicherlich auch und gerade weil er damit in die Öffentlichkeit geht, setzt sich Anfeindungen und Konfrontation mit Opfern aus. Er sucht keinerlei Ausreden für sein Handeln von damals. Es ist sein Weg, seine Art mit altem abzuschließen, wer diesen Weg für einigen Stunden im Buch oder persönlich mit geht, geht selber neue Wege.
Wer sagt, ihm könnte ich niemals, hat damit seine richtige Entscheidung getroffen.
Ob und wie jemand eine neue Chance verdient hat, entscheidet das Leben und die daran beteiligten. Ich bin beteiligt an dieser neuen Möglichkeit, andere wollen und können es nicht und das soll so sein.

Mein Gefühl heute….
Dieter Gurkasch, ein Mann der mehr als Scheiße gebaut hat, Menschen verachtete, von Hass geschürt, von Drogen geprägt und Gewalt verblendet war.
Dieter Gurkasch, ein Mann der dabei ist sein Leben zu “reinigen” nach seinen Möglichkeiten, Menschen liebt, von Freude erfüllt, von Klarheit und Sanftmut gestärkt ist.
All dies kann man nicht verstehen, wenn man nicht ich ist…. doch wer verlangt dies schon?! ;)
Warum ich dann dazu einen Beitrag schreibe?….  Gefühlen brauchen keine Gründe, ich mach es halt… und warum liest du ihn? ;)
Ob ich dies könnte wenn ich in irgend einer Weise betroffen wäre?
Keine Ahnung, denn Spekulationen dazu mache ich nicht, es ist wie es ist…..

Ich danke ihm für unsere Begegnung, seine Yogastunde, die Lesung und Meditation!

Namasté

Ute